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Der KI-Omnibus nimmt die Pflicht raus. Nicht das Risiko!

Two colleagues discuss an EU AI Act timeline on a whiteboard; a laptop shows a brain graphic with EU stars in the foreground.

Der KI-Omnibus nimmt die Pflicht raus. Nicht das Risiko!

Von Michael Höner Solutions 13. Mai 2026 4 Min Lesezeit Beratung & Sparring

Der KI-Omnibus nimmt formal Druck aus der KI-Kompetenzpflicht, ändert aber nichts daran, dass Unternehmen ohne saubere Schulung ein reales Risiko fahren – rechtlich und operativ. Die Frage verschiebt sich von „Sind wir verpflichtet?“ zu „Können wir es uns leisten, es nicht zu tun?“.

Was steckt hinter dem KI-Omnibus?

Der „Digital Omnibus on AI“ ist ein Änderungsvorschlag der EU-Kommission zur bestehenden KI-Verordnung (EU AI Act). Ziel: Regeln vereinfachen, Bürokratie reduzieren und vor allem KMU entlasten – ohne den risikobasierten Schutzansatz über Bord zu werfen.

Der Omnibus ist Teil einer größeren Wettbewerbs- und Entbürokratisierungsstrategie der EU. Im Kern geht es darum, KI-Regulierung praxistauglicher zu machen: weg von theoretisch perfekten, aber schwer umsetzbaren Vorgaben, hin zu Vorgaben, die Unternehmen mit vertretbarem Aufwand erfüllen können.

Die zentralen Änderungen im Überblick

1. KI-Kompetenzpflicht wird zur Empfehlung

Bislang verpflichtet Artikel 4 der KI-Verordnung Anbieter und Betreiber, sicherzustellen, dass ihr Personal über angemessene KI-Kompetenz verfügt. Formal war das schon eher als Appell formuliert und nicht bußgeldbewehrt, aber klar als Arbeitgeberpflicht adressiert.

Der KI-Omnibus dreht hier weiter runter: Aus der Pflicht soll eine Empfehlung werden. Die Verantwortung, KI-Kompetenz in der Breite zu fördern, rückt stärker zur öffentlichen Hand – also zu Mitgliedstaaten und EU, etwa über Programme, Leitfäden und Bildungsinitiativen.

Für Arbeitgeber heißt das: weniger ausdrücklicher Regulierungsdruck. Aber die Verantwortung verschwindet nicht. Wer produktiv KI einsetzt, ohne die Leute zu befähigen, schafft sich an anderer Stelle ein Haftungs- und Qualitätsproblem.

2. Längere Übergangsfristen

Der Omnibus sieht verlängerte Übergangsfristen für wesentliche Compliance-Pflichten vor, insbesondere für:

  • Hochrisiko-KI-Systeme

  • General Purpose AI (GPAI), also Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck

Unternehmen sollen mehr Luft bekommen, um Dokumentation, Risikoanalysen, technische Anpassungen und Governance-Strukturen aufzubauen. Das ist relevant, wenn KI nicht nur als Pilot läuft, sondern tief in Prozesse, Produkte oder Personalentscheidungen hineinreicht.

3. Erleichterungen für Mittelstand und „Small Mid-Caps“

Ein klarer Schwerpunkt liegt auf Entlastungen für kleinere Unternehmen und „Small Mid-Caps“ (bis 750 Mitarbeitende oder 150 Mio. Euro Umsatz). Vorgesehen sind unter anderem:

  • vereinfachte Konformitätsbewertungen in bestimmten Konstellationen

  • reduzierte Dokumentationsanforderungen

  • teilweise abgesenkte Bußgelder

Die Botschaft: KI-Regulierung soll Mittelständler nicht davon abhalten, sinnvolle KI-Anwendungen überhaupt anzugehen. Gleichzeitig: Hochrisiko-Anwendungen bleiben reguliert, nur der Weg dahin wird pragmatischer.

4. Governance, Hochrisiko-KI und Sandboxes

Auch an der Governance-Struktur wird gedreht. Rolle und Zuständigkeiten des EU AI Office und das Zusammenspiel mit nationalen Aufsichtsbehörden sollen geschärft werden. Ziel: weniger Flickenteppich, mehr einheitliche Anwendung der KI-Verordnung in der EU.

Für Hochrisiko-KI sollen Anforderungen praxistauglicher werden, etwa bei Risikobewertung und technischer Dokumentation. Statt pauschalem Maximalanspruch geht es stärker um reale Risikosituationen.

Parallel stärkt der Omnibus regulatorische Sandboxes. Unternehmen können KI-Anwendungen in einem kontrollierten Rahmen testen, bevor die volle Regulierung greift. Das ist für Organisationen interessant, die ernsthaft experimentieren wollen, ohne im Blindflug unterwegs zu sein.

Wo steht das Gesetzgebungsverfahren?

Der KI-Omnibus ist aktuell noch ein Vorschlag, aber weit fortgeschritten. Seit April 2026 läuft der Trilog zwischen Kommission, Rat und Parlament, eine politische Einigung im Frühsommer 2026 ist realistisch. Erfahrungsgemäß folgt die formale Annahme und Veröffentlichung dann innerhalb weniger Wochen.

Wichtig: Bis zur endgültigen Verabschiedung gilt die bestehende Rechtslage. Artikel 4 der KI-Verordnung bleibt also in Kraft. Unternehmen unterliegen weiterhin der Pflicht, KI-Kompetenz sicherzustellen – auch wenn diese Pflicht schon jetzt eher weich ausgestaltet ist.

Was bedeutet das für Arbeitgeber?

Die geplante Umwandlung der KI-Kompetenzpflicht in eine Empfehlung klingt nach Entlastung. In der Praxis sollte sie aber kein Argument sein, Schulungen einzusparen oder Projekte auf „Selbststudium“ umzustellen.

Drei Punkte sind entscheidend:

  1. Haftung hört nicht auf, nur weil die Regulierung weicher wird.
    Wenn ungeschulte Mitarbeitende KI-Systeme falsch nutzen und dadurch Schäden entstehen, steht schnell die Frage im Raum, ob die Organisation ihre Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Die KI-Verordnung ist dann nur ein Baustein in der Bewertung – Arbeitsrecht, Zivilrecht und interne Compliance spielen genauso mit hinein.

  2. Ohne Kompetenz wird KI ineffizient oder gefährlich eingesetzt.
    Mitarbeitende, die Funktionsweise, Grenzen und Risiken von KI nicht verstehen, neigen entweder zu blindem Vertrauen („die KI wird schon recht haben“) oder zu genereller Ablehnung. Beides ist schlecht: Entweder entstehen Qualitäts- und Sicherheitsprobleme, oder die Investition in KI verpufft.

  3. KI-Kompetenz ist ein Wettbewerbsfaktor, keine Strafmaß-Vermeidungsmaßnahme.
    Unternehmen, die ihr Personal strukturiert qualifizieren, integrieren KI schneller, stabiler und nachvollziehbarer. Sie können Kunden, Aufsichtsbehörden und Mitarbeitenden erklären, was das System tut – und warum. Das ist in vielen Branchen längst ein Differenzierungsmerkmal.

Kein Freibrief, sondern ein Stresstest für Governance

Der KI-Omnibus markiert einen Kurswechsel: weg von der Idee, KI-Kompetenz über harte Pflichten zu erzwingen, hin zu mehr Eigenverantwortung und staatlicher Förderung. Für Arbeitgeber ist das bequem – und gleichzeitig ein Stresstest.

Wer KI heute ernsthaft einsetzt, sollte bestehende Schulungskonzepte, KI-Governance-Strukturen und Richtlinien nicht abbauen, sondern konsolidieren und gezielt weiterentwickeln. Der regulatorische Druck mag nachlassen. Die Verantwortung für sauberes, nachvollziehbares und sicheres Handeln bleibt bei dir.

Wenn du magst, können wir daraus im nächsten Schritt eine sehr konkrete 1‑Seiten-KI-Schulungsroadmap für deine Kunden bauen – eher für KMU oder für größere Organisationen mit mehreren Standorten?

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